Im September 2025 hat die französische Datenschutzbehörde CNIL Google eine hohe Strafe in Höhe von 325 Millionen Euro auferlegt. Der Grund? Google soll unerwünschte Werbe-E-Mails („Spam-E-Mails") in Gmail-Postfächern versandt haben – und das ohne Zustimmung der Nutzer. Diese Entscheidung ist das Ergebnis einer Beschwerde der Datenschutzorganisation noyb (None of Your Business) aus dem Jahr 2022. Im Folgenden erklären wir, was genau passiert ist, warum es wichtig ist – und was Google nun tun muss.
Was ist passiert? Die Beschwerde von noybIm August 2022 reichte noyb eine Beschwerde bei der CNIL ein. Der Vorwurf: Google verschickte Werbe-E-Mails, die wie normale Nachrichten aussehen, direkt in den Gmail-Posteingang – ohne dass Nutzer dafür ihre Einwilligung gegeben hatten. Das verstößt gegen die ePrivacy-Richtlinie und das französische Gesetz über Post- und elektronische Kommunikation. Diese besagen, dass für solche Werbenachrichten im Posteingang eine Zustimmung erforderlich ist.
Die Untersuchung durch die CNILDie CNIL untersuchte in den Jahren 2022 und 2023 sowohl den Gmail-Service als auch den Prozess zur Erstellung eines Google-Kontos. Dabei stellte sie zwei zentrale Verstöße fest:
- Werbe-E-Mails im Gmail-Posteingang – insbesondere in den Kategorien „Promotions" und „Social". Diese Nachrichten sahen wie echte E-Mails aus und vermischten sich mit privaten Nachrichten – ohne, dass die Nutzer zugestimmt hatten.
- Cookie-Einwilligung beim Kontoerstellen – bis Oktober 2023 war es für Nutzer schwieriger, personalisierte Werbe-Cookies abzulehnen, als sie zu akzeptieren. Auch war nicht klar, dass die Nutzung von Googles Diensten davon abhängen könnte. Damit fehlte eine freiwillige und informierte Zustimmung, was ebenfalls verboten ist.
Am 1. September 2025 fiel die Entscheidung: Google wurde insgesamt 325 Millionen Euro Strafe auferlegt – aufgeteilt in 200 Millionen Euro gegen Google LLC und 125 Millionen Euro gegen Google Ireland Limited. Zusätzlich muss Google:
- Innerhalb von sechs Monaten das Spam-Marketing beenden.
- Eine eindeutige Zustimmung der Nutzer für Werbe-Cookies beim Erstellen eines Kontos sicherstellen.
Wenn Google diese Auflagen innerhalb der Frist nicht umsetzt, droht ein täglicher Strafbetrag von 100.000 Euro.
Bedeutung der Entscheidung- Starker Datenschutz durchgesetzt: Die Entscheidung zeigt, dass Datenschutzbehörden auch gegenüber großen Technologiekonzernen konsequent vorgehen.
- Spiegel der Nutzererwartungen: Werbe-Inhalte sollten klar erkennbar sein. Nutzer erwarten, dass E-Mails echt und transparent sind – nicht getarnt.
- Präzedenzfall für die Branche: Andere Anbieter müssen nun sicherstellen, dass Werbung klar gekennzeichnet ist und die Zustimmung leicht erteilt oder verweigert werden kann.
- Druck für Tech-Konzerne: Die Strafe ist Teil einer Reihe von Sanktionen gegen Google – in den vergangenen Jahren gab es bereits hohe Bußgelder für ähnliche Verstöße.
| Thema | Details |
|---|---|
| Beteiligte | CNIL (Frankreich), noyb (Beschwerdeführer) |
| Verstöße | Spam-E-Mails ohne Zustimmung, unklare Cookie-Einwilligung |
| Strafe | 325 Mio. € (200 Mio. für Google LLC; 125 Mio. für Google Ireland) |
| Umsetzungsfrist | 6 Monate |
| Zusatzstrafe bei Verzug | 100.000 € pro Tag |
| Betroffene Nutzer | Über 53 Mio. Gmail-Konten, über 74 Mio. Google-Konten in Frankreich |
Diese Entscheidung ist nicht nur ein Problem für Google, sondern betrifft alle, die digitale Dienste nutzen. Werbung, die sich wie normale Inhalte tarnt, untergräbt das Vertrauen in Kommunikationsplattformen. Ohne klare Zustimmung können Unternehmen gezielt Nutzerdaten auswerten, um personalisierte Werbung zu schalten.
Die CNIL-Strafe erinnert daran, dass Privatsphäre ein Grundrecht ist. Die EU-Gesetze sehen deshalb vor, dass jede Form von digitaler Werbung nur mit freiwilliger und informierter Zustimmung erlaubt ist.
Was bedeutet das für Google?Google muss seine Systeme anpassen, damit Nutzer künftig klar und einfach wählen können, ob sie Werbung erhalten möchten. Die bisherigen Praktiken – versteckte Einwilligungen und schwer auffindbare Ablehnungsoptionen – sind nicht mehr zulässig.
Darüber hinaus wird Google unter Beobachtung stehen. Sollte das Unternehmen die Auflagen nicht erfüllen, drohen nicht nur weitere Strafzahlungen, sondern auch zusätzlicher Reputationsverlust.
Die CNIL-Entscheidung vom September 2025 ist ein starkes Signal: Datenschutz muss ernst genommen werden – selbst von den größten Konzernen der Welt. Nutzer haben ein Recht auf klare und transparente Informationen, wenn es um Werbung und Datennutzung geht.
noyb hat mit seiner Beschwerde gezeigt, dass gezielte Rechtsdurchsetzung auch gegen mächtige Akteure funktioniert. Für Google ist diese Strafe ein weiterer Rückschlag – und für die gesamte Branche ein Warnsignal, dass die Zeit von versteckter Werbung ohne Zustimmung vorbei ist.
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